Der lieblich-karge Westen Kanadas

23.06.2018

„Wo genau sollen wir uns heute also das Fußballspiel gegen Schweden anschauen?“ Fragen, die die Welt bewegen … und uns. Als wir in Castelgar ankamen, was unsere erste Überlegung war, hätten wir noch eine Stunde die Füße vertreten müssen, bis der Startschuss fiel. Das war uns definitiv zu lange. Denn diese Stunde würden wir hinterher länger fahren müssen. Also beschlossen wir, den Anpfiff auszulassen und einfach ein wenig später in das Match einzusteigen. Denn in die nächste größere Ortschaft, „Gand Forks“, würden wir nicht pünktlich ankommen. Dafür fanden wir in „Clyde’s Bar“ dann einen super Platz mit einer riesigen Leinwand und einer bequemen Couch, die wir ganz für uns alleine hatten. Die restlichen „Bierdimpfeln“ (bayrisch für jemand, der regelmäßig in einer Wirtschaft sitzt und viel Bier konsumiert) hingen an der Bar und verfolgten die aktuellen Glücksspiele im Flimmerkasten. Wir hafteten derweil an dem deutschen Fußballglück gegen Schweden. Und erst als das „2:1“ feststand, machten wir uns wohlgemut wieder auf den Weg.

Hinter Grand Forks wird die Landschaft allmählich karger. Der Wald zieht sich zurück, die Berge werden eher hügelig-felsig mit Gras, vielen Wiesenblumen, Sträuchern und versprengten Kiefern- und Douglasienwuchs. Hier beginnt der „Wilde Westen“ Kanadas. Karg und rau und doch, durch den bunten flächendeckenden Blumenschleier so lieblich. Wir bewegten uns auf die heißeste und trockenste Region Kanadas zu. Die „Wüste“ des „Okanagan Valleys“. Erstaunlich, dass in solch einer trockenen, eigentlich unwirtlichen Region so viel gedeiht. Die Hänge direkt am „Lake Okanagan“ beherbergen nämlich Kanadas Weinstöcke. Einige gibt es zwar auch bei den Niagara-Fällen, doch hier ist das Klima perfekt für die sonnenverliebten Trauben: Warm und sehr trocken und Wasser bietet der riesige See zur genüge. Und nicht nur die Trauben gedeihen hier prächtig: Auch Kirschen und Pfirsiche hängen reichlich an den Ästen der Plantagen. Ein bisschen sieht es aus wie in der romantischen Wachau Österreichs. Nur eben ein wenig öder ringsum. Das „Okanagan Tal“ ist eine Oase in der Wüste. Wir hielten im „Skaha Bluffs Provincial Park“ am „Skaha Lake“. Das ist im Grunde in direkter Nachbarschaft des „Okanagan Lakes“. Und hier sieht es nochmals anders aus. Die Felsen und Hügel flimmern in der prallen Sonne. Douglasien und Gelb-Kiefern sind die Bäume, die man am meisten dort antrifft. Grillen lassen ihren Gesang über die steinigen Halden erschallen; sonst hört man nur das Rauschen des Windes in den riesigen Kiefern. Und dann war da noch das metallische Klicken von Karabinern und bisweilen ein Ruf aus der Höhe. Denn der „Skaha Lake“ ist beliebter Treffpunkt für enthusiastische Kletterer. Hier und da steht oder liegt ein Baumskelett. Vor einem Jahr gab es in British Columbia verheerende Waldbrände, die den Bestand stark eingeschränkt und viel zerstört haben. Trotz der Trockenheit gibt es jedoch eine bewundernswerte Vielfalt an Gräsern und Wildblumen. Schafgarbe, meterhoher, intensiv lila blühender Klee, Knabenkraut, wilde Johannisbeeren, Disteln, Pfeiffenstrauch, sowas wie Riesenlöwenzahn und vieles mehr, was schön anzusehen ist, wo ich euch aber mal wieder leider nicht den genauen Namen nennen kann. Von den felsigen Höhen des Parks hat man eine phänomenale Aussicht auf den blauen See im Tal. Auf unserem Weg kreuzten wir auch eine Schlucht, wo es erheblich kühler und vor allem auch grüner ist. Und hier laufen auch die Kalifornischen Wachteln herum. Sehr hübsche Vögel, mit einem weiß gesprenkelten Federkleid und einer dekorativ wippenden Feder am Schopf. Wir haben sie wegen dieses Anhängsels erstmal „Teletubbie-Wachteln“ genannt. Leider sind diese Artgenossen derart scheu, dass es uns unmöglich war, ein Foto zu machen. Lustig sieht es aber aus, wenn sie mit langgestrecktem Hals über die Fahrbahn trippeln. Sie sind anscheinend ein derartiges Highlight der Gegend, dass sie sogar als Markentier des Weingutes fungieren, welches wir in West Kelowna besuchten. In „Quail’s Gate“ („Wachtel-Tor“) unternimmt das Federvieh im Familienpack Ausflüge zwischen den Weinreben. Wir spazierten zwar auch zwischen den Weinstöcken einher, doch nicht, ohne vorher das Ergebnis des Weinanbaus zu probieren. West Kelowna ist tatsächlich nah dran an einem deutschen Weinanbaugebiet. Zum Beispiel der Mosel. Nur, dass rund um das Grün der bewirtschafteten Hänge die fruchtlosen, ausgedörrten Erhebungen liegen. In dem Wein-Laden lernten wir auch Jan kennen. Jan kommt eigentlich aus Bamberg, hat aber in allen möglichen Teilen der Welt gelebt, bevor er sich in West-Kelowna häuslich niederließ. Er gab uns einige Tipps für die Umgebung mit auf Weg, bevor wir in Kelowna unser Abendessen einnahmen. Später hatten wir dann noch 1,5 Stunden Wegstrecke nach „Kamloops“ vor uns. Doch Jakob unterhielt und mit der englischen Version des „Alchemisten“ von Paulo Coehlo und der bildhaft schöne Übergang von Dämmerung in vollständige Dunkelheit leitete ein entspanntes Ende unseres Tages ein.

Im Hotel wurden wir dann jedoch nochmal richtig wachgerüttelt. Hatten wir uns verfahren?! WO waren wir gelandet? Es wimmelte von Indern jeden Alters und selbst der Rezeptionist nuschelte in kaum verständlichen Indisch sein Latinum herunter. Wir wagten uns kaum in den Pool: Der musste dem Ganges geradezu zum verwechseln ähnlich sein. Mit indischen Großfamilien, die ihre rituellen abendlichen Waschungen vornahmen. Wir ersparten uns dieses kulturelle Erlebnis und verzogen uns gleich aufs Zimmer, wo wir dann zum rhythmischen Bass von „50 Cent“ (Illegale Parkplatzparty vor unserem Etablissement) in den Schlaf katapultiert wurden. „Candy Shop“ ist anscheinend DAS Wiegenlied schlechthin in dieser Gegend… Na dann „Gute Nacht!“

Morgen machen wir einen absolut relaxten Tag. Kein „wir-müssen-dann-und-dann-dort-sein-weil-das-Zimmer-reserviert-ist“ oder „heute-stehen-fünf-bis-sechs-Stunden-Fahrtzeit-an“. Einfach ganz entspannt Seele baumeln lassen und schauen, wonach uns ist und was der Tag so bringt…

Liebe Grüße

Eure Wolpis

Unsere persönliche WM-Lounge in Clyde’s Pub
Unsere persönliche WM-Lounge in Clyde’s Pub
Der „Skaha Lake“
Der „Skaha Lake“ 
Die Gegend im „Okanagan Valley“ wie es auch als „Wüste Kanadas“ bezeichnet
Um die 30 Grad, Grillenzirpen und trockene Erde … und wenngleich Einöde absolut nicht öde
Zarte Blüten in karger Wildnis
Zarte Blüten in karger Wildnis
Trotz der Hitze und Trockenheit findet man einige Blumen
Trotz der Hitze und Trockenheit findet man einige Blumen
...Disteln
… Disteln
... und Riesenlöwenzahn
… und Riesenlöwenzahn
Riesige Gelb-Kiefern bewachsen die Hügelketten
Riesige Gelb-Kiefern bewachsen die Hügelketten
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Wieviele Eichhörnchen dort wohl hausen?
Der „Skaha Bluffs Provincial Park“ in seiner vollen Schönheit
Der „Skaha Bluffs Provincial Park“ in seiner vollen Schönheit
Im Okanagan Valley wachsen Trauben, Pfirsiche und Kirschen in Hülle und Fülle
Im Okanagan Valley wachsen Trauben, Pfirsiche und Kirschen in Hülle und Fülle
Blick über die Rebstöcke der Quails Gate Winery auf Kelowna und den Okanagan Lake ... könnte fast irgendwo in Europa sein
Blick über die Rebstöcke der Quails Gate Winery auf Kelowna und den Okanagan Lake … könnte fast irgendwo in Europa sein
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Nasse Straßen, trockener Tank

Regen. Regen und Autos, die durch Pfützen auf nassen Straßen rauschen. So wurden wir heute am Morgen begrüßt. Was macht man an einem verregneten, nebligen Tag wie den heutigen? Wir kramten unsere Karten aus dem Rucksack und versuchten mithilfe von Internet, Kuli und Elan einen Plan für heute aufzustellen. Der Kuli funktionierte, das Internet weniger. Und der Elan blieb ohne Kaffee ein wenig auf der Strecke. Dem musste Abhilfe geschaffen werden und so suchten wir unsere sieben Sachen zusammen und hielten Ausschau nach einem Café, das uns in mehrerlei Hinsicht beglücken könnte. Im Bacchus Books & Cafe wurden wir dann fündig. Man tritt durch eine eher unscheinbare Türe in einen Bauchladen, bei dem passionierten Bücherwürmern Freudentränen in die Augen treten würden. Nicht nur ist das Gebäude an sich schon alt (wurde 1910 erbaut und diente lange als Apotheke), sondern auch die Einrichtung wirkt altertümlich. Abgetretener Dielenboden, Lampen, die bestimmt schon den Bauherren des Gebäudes gesehen haben und ein Angebot an Büchern, dass man selten so in einer großen Buchhandlung findet. Unikate, neu und alt mit so spannenden Titeln, dass man sich am liebsten gleich hinsetzen und mit dem Schmökern beginnen möchte. Wir begaben uns erstmal über die knarrende Holztreppe ins Obergeschoss und fanden uns in einem Café wieder, das von der Einrichtung gänzlich zum unten liegenden Laden passte. Vollgestopfte Bücherregale reihten sich an den Wänden. An den Stellen, an denen kein Regal zu finden war, schmückten Bilder aus der Region den Putz. In der Ecke neben dem Aufgang drückte sich eine Bar mit Küche und die fünf Tische im Restaurant waren alle besetzt. Ein gutes Zeichen… Wir ließen uns auf den einzigen freien Plätzen am Tresen nieder und schon bald darauf hatte uns Kenan gekonnt tatsächlich mal guten Kaffee aus einer Siebträgermaschine vorgesetzt. Das findet man in Kanada bis jetzt nämlich eher selten. Auch unser Frühstück, bestehend aus einem Lachs-Panini mit Avocado, Ziegenfrischkäse und Kapern und einem knackigen Rohkostsalat erwies sich als ausgesprochen köstlich. Tammy, die Besitzerin, und Kenan kochen und backen alles frisch vor den Augen ihrer Gäste. Und das Ergebnis ist ebenso schmackhaft wie sehenswert. Kenan gab uns auch noch einige Tipps und Ratschläge gratis mit auf den Weg. Bevor wir jedoch aufbrachen, gesellte sich eine Dame mit dunklen Haaren zu uns an die Bar. Bettina, waschechte Bayerin aus Garmisch (sehr zur Freude von Matthias), auf dreiwöchiger Tour in Kanada. Gut gelaunt tauschten wir Tipps und Erfahrungen aus, erzählten von unseren bisherigen Reiseerlebnissen und den Benefits von solchen Roadtrips. Als wir dann das Gebäude nach einem angeregten Plausch mit dem Buchhändler im Erdgeschoss verließen, bemerkten wir mit Erstaunen, dass wir schon 13:30 hatten. Höchste Zeit, dass wir auf die Straße kamen! Denn in British Columbia würden wir zwar eine weitere Stunde gewinnen (dann sind es ganze 9 Stunden Unterschied zum deutschen Lande), doch wir hatten heute noch ein paar Kilometer vor uns. Durch den „Gletscher-Nationalpark“ (Ratet mal, woher der Park seinen Namen hat), über „Revelstoke“ in südliche Richtung nach Nelson und Creston als Zielstadt. In Revelstoke bogen wir dann in die einzige Straße des „Mount Revelstoke Nationalpark“ ein – eine Stichstraße, die Besucher in Serpentinen fast bis auf den 2000 Meter hohen Gipfel des Mount Revelstoke führt. Das bemerkenswerte an dieser Strecke ist, dass man bis zum Hochplateau ganze drei Vegetationszonen durchquert. Gleich die erste Ebene, und als solche einzigartig für die gemäßigten Breiten weltweit, ist Regenwald. Klar: Nicht genauso anzusehen wie das tropische Pendant am Äquator, doch mit bis zu 800 Jahre alten Riesen-Lebensbäumen und schlaksig monströsen Tannen. Der Westwind bringt derart viel Regen aus den wasserreichem Ebenen vor dem Gebirge mit, dass der Niederschlag von 2000mm im Jahr, der für diese Art von Pflanzenwuchs benötigt wird, hier gewährleistet ist. Wir selber wurden Zeuge davon: regnen tut es hier genug. Den Gipfel konnten wir nicht erklimmen, da die Straße im oberen Teil nach wie vor meterhoch mit Schneefeldern bedeckt ist. Wir hätten natürlich das Auto stehen lassen und nach oben laufen können, aber das wäre eine zweistündige Wanderung durch strömenden Regen und knie- bis hüfthohen Schneematsch gewesen. Wir begnügten uns mit ein paar Schneeballwürfen bei der Absperrung. Die nette Park-Rangerin, die dort für die wenigen Besucher bereit stand, zeigte uns im Schnee einen riesigen Pfotenabdruck von bestimmt 20cm Durchmesser. Ein Puma! Anscheinend gibt es die auch hier und da. Unterschätzen sollte man diese Katzen nicht, gab es doch schon mehrfach Vorfälle, wo sie Wanderer, Kleinkinder und sogar Motorradfahrer angegriffen und verschleppt haben. Der Parkwächterin selber war schon mal ein Riesenkaliber mit frisch erlegter Beute über den Weg gelaufen. Wir warteten erst gar nicht, bis sich der Besitzer des Tatzenabdrucks aus dem dichten Wald wagte, sondern setzten unsere Reise fort. Durch Revelstoke in südöstliche Richtung. Den „Arrow Lake“ überquerten wir mit einer Fähre und tourten dann über Nakusp an den „Slocan Lake“, welchen wir die Länge nach abfuhren. Mit jedem zurückgelegten Kilometer wanderte unsere Tanknadel, wie bei jedem anderen Auto auch, näher an das „E“ für empty. Irgendwann zitterte sie haarscharf vor der großen Leere. Zum Glück kamen wir just zu dem Zeitpunkt durch „New Denver“, wo es laut Karte gleich zwei Auffüllstationen geben sollte. Die erste lag in vollkommener Dunkelheit da. Na ja, nicht so schlimm. Nummer zwei war ja nur paar Meter weiter … und auch geschlossen. Ob wir nun so enden würden, wie der Inder am Highway hinter Thunder Bay? Wir hatten nur leider keine Brillianten oder Goldschmuck dabei, mit dem wir mit den wenigen passierenden Autofahrern ins Geschäft hätten kommen könnten. Doch unsere Lage war noch nicht aussichtslos. Wir waren zwar irgendwo in den Nadelwald bewachsenen Bergen bei den sieben Zwergen (die zufällig kein Sprit verkaufen), doch noch fuhren wir nicht auf Reserve. Wir überschlugen schnell Strecke mit Tankfüllung und kamen zu dem Schluss, dass wir es mit bisschen Schieben bis in die Kleinstadt Nelson schaffen sollten. Hier hatte in früheren Zeiten der Silberrausch gewütet und es gibt noch viele historische Gebäude, die an diese Zeit erinnern. Mit einem hellen „Ping“ leuchtete das gelbe Licht der Tankanzeige auf. Ringsum alles dunkel, der „Slocan Lake“ wolkenverhangen uns zur Rechten und keine Menschenseele geschweige den eine Tankstelle in Sicht. Nun, Reserve ist ja noch nicht leer… Dann endlich eine winzige Esso-Tankstelle am Straßenrand! Strahlend bogen wir in die Einfahrt ein. Der Tankwart, der sich an den Zapfsäulen zu schaffen machte, blickte auf und hob entschuldigend die Hand: Der letzte Tropfen Benzin sei gerade verkauft worden, er könne uns leider, leider nichts geben. Aber vor Nelson käme nochmal eine weitere Möglichkeit zum Auffüllen. Was blieb uns anderes übrig, als unser Glück woanders zu versuchen. Und: NOCH war der Tank ja nicht ganz leer. Wenn machbar, ließen wir uns nun rollen, fuhren so sparsam wie nur irgend möglich. Und dann in der Ferne ein Licht, unser Hoffnungsschimmer. Eine nigelnagelneue Tankstelle, in schönem Holzdesign mit warmen, einladenden Lichtschein. Als wenn sie gerade für uns hier hingestellt worden wäre. Ein hilfsbereiter junger Mann bestand darauf, uns den Tank aufzufüllen. Jakob müsse nur rein gehen und zahlen. Das war ja fast wie im Schlaraffenland, wo einem die fertig gebackenen Hühnchen im den offenen Mund fliegen! Paar Minuten später kam Jakob auch wieder sehr begeistert aus dem Inneren. Erstens sei das Angebot an Waren drinnen unglaublich und zweitens stehen drinnen drei nette Ladies, die sich aufopfernd um das Wohl der Kunden kümmern. Wie gut, dass wir an den vorherigen Gas-Stations nichts bekommen haben. Kommt Zeit, kommt Tankstelle, kommt Erfüllung (fast) aller Träume. Unser Tank-Jokey gab uns noch den Tipp, in Nelson im re-lish unsere Abendessen-Gelüste zu stillen. So steuerten wir denn in besagten Städtchen dieses Bistro an und wurden das zweite mal an diesem Tag von einer Location positiv überrascht. Seit dem japanischen „Noren“ in Montréal haben wir nicht mehr so gut gegessen. Ein eher kleineres Restaurant mit offener Küche und einem Team, bei dem man merkt, dass das Untereinander, als auch das Verhältnis zum Gast stimmt. Britney las uns jedenfalls jeden Wunsch von den Augen ab und am Ende standen wir im regen Austausch mit der gesamten Besatzung. Leider war Nelson noch nicht unsere Endstation und so verbrachten wir nochmals 1,5h im Auto, bis wir Creston und unsere Unterkunft dort erreichten.

Morgen müssen wir dringend schauen, dass wir ein Pub finden, in dem wir Deutschland im Spiel gegen Schweden mental beiwohnen können…

Liebe Grüße aus British Columbia, unserem neunten und letzten Country von Kanada

Eure Wolpis

Eis und Schnee im „Mount Revelstoke Nationalpark“
Eis und Schnee im „Mount Revelstoke Nationalpark“
Auf den Spuren eines Pumas
Auf den Spuren eines Pumas
Caution: Rocks crossing!
Caution: Rocks crossing!
Auf Empfehlung kehrten wir ins „re-lish“ in Nelson ein ... und bekamen ein super Abendessen
Auf Empfehlung kehrten wir ins „re-lish“ in Nelson ein … und bekamen ein super Abendessen
Poutine und Pulled Pork Sandwich
Poutine und Pulled Pork Sandwich
Salat mit karamellisierten Pecannüssen, Ziegenkäse und Himbeer-Dressing
Salat mit karamellisierten Pecannüssen, Ziegenkäse und Himbeer-Dressing

Bärenstarke Rockies

21.06.2018

Am Morgen verwöhnte Kelsey uns noch mit frischen Crêpes und dann hieß es: zusammenpacken, Abschied nehmen und weiter. Der Berg ruft. Oder, genauer genommen, DIE Berge. Der Nationalpark von Banff in den Rocky Mountains lag heute in unserem Radar.

Schon von weitem sehen die Rockies beeindruckend aus. Steinplatten und Schichten in den verschiedensten Braun- und Grautönen, kantig und rau, in den höheren Lagen zum Teil bedeckt mit Schneehauben und Eismänteln. Sieht ein wenig aus wie eine Torte mit mehreren Schichten, gekrönt mit einer dicken Sahneschicht als Topping. Die Spitzen sind mit einem dunkelgrünen, lückenlosen Nadelwald-Teppich überzogen, welcher mit zunehmender Höhe spärlicher wird und schließlich ganz abnimmt. Selbst wenn man denkt, dass man schon mitten in den Bergen drinnen ist, so passiert man das eigentliche Tor zu den Rocky Mountains erst mit „Canmore“. Hier wachen die Gipfel der „Three Sisters“ über das 600 Millionen Jahre alte Bergmassiv, welches sich durch das Aufeinandertreffen zweier tektonischer Platten aufgetürmt hat.

Banff Nationalpark ist der erste und somit auch der älteste Nationalpark Kanadas, der zweitälteste Amerikas und der drittälteste der Welt. Gegründet wurde das heutige UNESCO Welterbe 1885. Drei Jahre nachdem die Ureinwohner Bauarbeitern der Canadian Pacific Railway die heißen Quellen in einer Höhle zeigten. Bei diesen heißen Wasserreservoirs handelt es sich um zwar abartig riechende, aber dafür umso heilsamere Schwefelquellen. Es gibt eine im Inneren einer Grotte und eine weitere in einem Außenbecken. Darüber hinaus liegen rund um Banff schwefelhaltige Seen, von deren Grund beständig Gasblasen aufsteigen. Die „Banff Springs“ waren früher beliebtes Badeziel, doch seit 1955 ist das Planschen hier unter Strafe verboten, da der Bestand der unter Naturschutz stehenden „Banff Spring Snails“ durch die „Kasfuß-Suppen“ sehr gelitten hat. Diese nur in diesem Terrain vorkommende Wasserschnecke kann sich extrem ungünstigen Bedingungen, besonders Hitze und giftigen Substanzen, anpassen, was sie zum beliebten Forschungsprojekt der Wissenschaft gemacht hat. Weiterhin schön zum Anschauen sind die „Banff Falls“, wo der „Bow River“ wild brausend und gurgelnd über unsichtbare Felskaskaden fließt, um sich dann wieder milchig türkisfarben durch das Flußbett zwischen den Fichtenwäldern hindurch zu schlängeln. Am Ufer des „Bow Rivers“ steht auch das „Banff Springs Hotel“. Der Prunkbau im schottischen Burgenstil, beherbergt, wie schon das schlösserne „Château Frontenac“ in Québec City, ein Luxushotel mit traumhafter Sicht auf den Fluss. Jedenfalls war das so beim Bau geplant. Die Bauherren drehten jedoch während der Arbeiten den Bauplan versehentlich um 180 Grad, wodurch die Gäste der hinteren Edel-Suiten nun nur noch den Hang vom Hausberg („Sulphur Mountain) bestaunen können, während die Küche besten Ausblick auf das Wasser genießt. Na ja, vielleicht findet man dort die ausgeglichensten und zufriedensten Köche weltweit. Wer weiß… Das Städtchen an sich weist vom Erscheinungsbild einige Parallelen zu den Skiorten der Alpen auf. Kleine bunte Läden, schnuckelige Cafés und Restaurants und jede Menge Chalets, Motels und Ferienwohnungen. Sicher kann man hier bequem einen kompletten Tag vertrödeln, ohne auch nur einmal in die Verlegenheit zu kommen, gelangweilt zu sein. Doch wir wollten tiefer in die Wildnis der Gebirgskette vordringen und verließen Banff in Richtung „Johnston Canyon“, einer durch den „Johnston Creek“ geformte Schlucht nahe dem Highway. Auf dem Weg dorthin kam der rege Verkehr plötzlich zum Erliegen. Autos auf beiden Seiten des Straßenrandes. Unfall?! Nein. Straßenschäden?! Auch nicht. Tiere?! Jap! Ein riesiger Braunbär, der, sein begeistertes Publikum ignorierend, in der Wiese 10 Meter vom Straßenrand herumstromerte. Unbekümmert steckte er seine Schnauze in das Grün der Gräser und Kräuter und ließ sich auch durch nichts aus der Ruhe bringen. Es ist, wie schon bei den Bisons im „Elk-Island-Nationalpark“, ein einfach unbeschreibliches Gefühl, wenn man einem solch riesigen und tatsächlich wilden Tier ohne trennenden Zaun oder Mauer im natürlichen Lebensraum begegnet. Eine Mischung aus Ehrfurcht, Respekt und stiller Bewunderung. Nachdem sich unser Adrenalinspiegel wieder auf Normalwerte gesenkt hatte, setzten wir uns wieder in Bewegung und parkten kurz darauf am Eingang zum „Johnston-Canyon“. Über einen gut ausgebauten Weg kann man hier die Schlucht zu den „Lower“ und „Upper Falls“ hochwandern und dabei die unberührten Natur ringsum genießen. Vorausgesetzt, man kann sich gegen die zahlreichen Chinesen behaupten, die hier anscheinend bevorzugt ihren Jahresurlaub verbringen. Streifenhörnchen flitzen durchs Dickicht und über dem Wald liegt der herrliche Duft von harzigen Holz, Moos, modriger Erde. Der Johnston Creek fließt rauschend in dieser wunderschönen Gebirgsbach-Farbe durch das Tal und stürzt bei den „Lower Falls“ ca. 10 Meter, bei den „Upper Falls“ ganze 30 Meter in die Tiefe. Gischt stiebt meterhoch in alle Richtungen und durchnässt jeden, der sich näher an die Fälle heranwagt. Wir wanderten einen nun unasphaltierten Pfad weiter in die Höhe. Die Zahl der Touristen nahm hier schlagartig ab und wir waren von dichten Märchenwald umgeben. Flechten hängen wie verfilzte Bärte von den Bäumen, dicke Moospolster bedecken den Boden, Nadelbäume und Birken recken sich dicht an dicht gen Himmel und fast unwirklich neongelb leuchtende Flechten überziehen so manchen Ast und leuchten im Dämmerlicht der Bäume. Wie Mikadostäbchen liegen Stämme kreuz und quer am Wegesrand. Ob wir wohl dem „bösen Wolf“ oder einem weiteren „Baloo“ begegnen würden? Doch nur ein paar amerikanische Waldspatzen wisperten verhalten im Geäst der Bäume. In der Ferne grollte der Donner. Schon in Banff waren wir von einem außerordentlichen Regenguss mit Gewitter und Hagelschlag überrascht worden und wir warfen einen prüfenden Blick zu den Berggipfeln im Osten, wo sich dunkel die Wolken türmten. Aber: „No risk, no fun“ und so marschierten wir wohlgemut weiter. Andere schienen die Lage auch noch nicht für bedenklich zu halten und spazierten fröhlich einher. Bis jetzt grollte es ja auch nur in der Ferne und die langen Baumstämme knarrten und ächzten im Wind. Wir passierten eine sonnige Waldwiese mit wilden Rosen, gelben Arnika und einem Meer aus anderen roten Blumen, die wunderschön anzuschauen sind, deren Name mir aber leider nicht bekannt ist. Nach drei Kilometern holten uns dann die Wolken ein und es fing an zu regnen. Kalt war es nicht und so setzen wir unverdrossen unseren Aufstieg fort. Nach fast sechs Kilometern lichtete sich der Wald und man hat eine phänomenale Aussicht auf die Schneekuppen ringsum. Der Johnson-Creek plätschert hier als bildhübscher Wildbach durch eine grüne Ebene, die mit Büschen und Sträuchern bestanden ist. Hier liegen die so genannten „Ink Pots“. Fünf kleine, in die Landschaft eingebettete Seen mit unterschiedlicher Farbe, die jedoch alle ins Türkis-Grünblaue gehen. Am Grund kann man kreisförmige Formen ausmachen, die durch die, von den unterirdischen Quellen aufsteigenden Luft- und Wasserblasen herrühren. Warum die „Ink Pots“ in den Farben differieren? – Die milchig grünen Tümpel haben einen höheren Schwebstoffanteil als die blau-türkisen, weil das Wasser dort langsamer durch den Boden dringt. Inzwischen hatte es sich gut eingeregnet und auch das Gewitter schien näher zu kommen. Daher hielten wir uns nicht lange auf und traten den Rückweg zum Auto an. Durchnässt, aber gut gelaunt erreichten wir dann den Parkplatz, zogen uns schnell trockene Klamotten über und setzten die Fahrt fort. Heute war unser absoluter Glückstag. Vielleicht nicht ganz in Hinblick auf die Wetterlage, aber definitiv, wenn es um bärenstarke Erlebnisse geht. Denn schon nach einigen Kilometern begegneten wir „Teddybär II“. Klein (jedenfalls im Vergleich zum anderen), kuschelig und tiefschwarz. Ein Schwarzbär, der uns hier genauso unbekümmert wie sein großer brauner Bruder vor die Linse tapste. Entspannt knusperte er an den Grashalmen und zottelte friedlich über die Wiese. Er sah so nett und harmlos aus, dass wir ihn beinah als Souvenir mit in den Wagen gepackt hätten. Doch obwohl er eher in die Kategorie „klein und handlich“ passte, war er trotzdem noch eine Nummer zu groß für unser voll gestopftes Auto. Dann vielleicht doch besser ein Streifenhörnchen im Hosentaschenformat.

Bevor wir nach „Golden“, unserer heutigen Endstation kamen, legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp beim „Moraine Lake“ ein. Dies ist ein von Gletschern gespeister Gebirgssee in einer Höhe von 1884m über dem Meeresspiegel. Er liegt im „Valley of the Ten Peaks“, ein Tal, welches von zehn Berggipfeln umgeben ist. Normalerweise hat dieser Juwel eine smaragdgrüne Farbe durch die Partikel des Gletscherabriebs, die das Licht reflektieren. Doch da es inzwischen trüb, wolkenverhangen und regnerisch war, lag nun auch der See in einem dumpfen grau-grün da. Sehr schade, doch vielleicht kommen wir auf unserer weiteren Fahrt nochmal hier vorbei, wenn uns die Sonne besser gesonnen ist. In „Lake Louise“ kauften wir in einem kleinen Laden überteuertes Gemüse und Hummus (wie das in so touristischen Bergsiedlungen eben so ist) und machten dann abends ein gemütliches Picknick auf dem Bett im Motel.

Für morgen müssen wir den Tag leider ein wenig ummodeln, da der Regen und die Nebelsuppe auch am Freitag noch über den Bergen hängen soll. Und so regenerprobt wir von heute sind, so wenig spaßig ist es dann doch, wenn man durch triefende Wälder spaziert und außer fluffig weiße Wolken und Nebelfetzen nicht viel von der Landschaft sieht.

Ob wir nun also Regentropfen jagen, Bären zählen oder Moos zu Gold spinnen, das klären wir dann morgen…

Bis dann

Eure Wolpis

Weg in die Rockies
Weg in die Rockies
Die „Banff-Falls“
Die „Banff-Falls“
Luxus-Schuppen mit Aussicht: Das Fermont-Hotel in Banff
Luxus-Schuppen mit Aussicht: Das Fermont-Hotel in Banff
Schwefelhaltige Quelle in einer Grotte in Banff
Schwefelhaltige Quelle in der Grotte in Banff
Winnie de Pooh? Der kommt jedenfalls auch aus Kanada
Winnie de Pooh? Der kommt jedenfalls auch aus Kanada
Der Johnston-Creek hat sich tief in den Fels gefressen und eine wunderschöne Schlucht geformt
Der Johnston-Creek hat sich tief in den Fels gefressen und eine wunderschöne Schlucht geformt
Das türkise Wasser des Johnston-Creeks schlängelt sich durch den gleichnamigen Canyon
Das türkise Wasser des Johnston-Creeks schlängelt sich durch den gleichnamigen Canyon
Ungezähmt schießt das Wasser ins Al
Ungezähmt schießt das Wasser ins Tal
Waldpfade
Waldpfade
Sieht aus wie ein Mikado-Spiel für Riesen
Sieht aus wie ein Mikado-Spiel für Riesen
30m stürzt das Wasser am „Upper Fall“ in die Tiefe
30m stürzt das Wasser am „Upper Fall“ in die Tiefe
Grüße aus den kanadischen Rockies
Grüße aus den kanadischen Rockies
Blühende Waldwiese
Blühende Waldwiese
Der Regen machte der Schönheit der Landschaft (fast) keinen Abbruch
Der Regen machte der Schönheit der Landschaft (fast) keinen Abbruch
Die Ink Pots: Wasseransammlungen in der Ebene über den Johnston-Canyon
Die Ink Pots: Wasseransammlungen in der Ebene über den Johnston-Canyon
Die Tümpel zeigen alle eine unterschiedliche Farbe. Hier kann man die Kreise am Grund gut erkennen, wo Gas und Wasser in die einzelnen Seen eindringt
Die Tümpel zeigen alle eine unterschiedliche Farbe. Hier kann man die Kreise am Grund gut erkennen, wo Gas und Wasser in die einzelnen Seen eindringt
Helene im Wunderland
Helene im Wunderland
Unser zweiter Bär für heute
Unser zweiter Bär für heute
Wie gemalt: die weißen Kappen der Rocky Mountains
Wie gemalt: die weißen Kappen der Rocky Mountains

Wiederentdeckte Welt: Jurassic Park

20.06.2018

Wer was vom Tag haben möchte, muss früh raus. So ist es schon immer gewesen und so wird es höchst wahrscheinlich auch in nächster Zeit bleiben.

Mickey und Kelsey wollten uns den größten Dinosaurier der Welt zeigen (eine Tyrannosaurus Rex Statue) und uns die Badlands und das Leben in Alberta vor paar Millionen Jahren näher bringen. Also warfen wir um 8:00 den Motor an und fuhren ca. zwei Stunden in nordöstliche Richtung. Ziel war Jurassic Town. So sieht es dort jedenfalls aus und die Stadt selber wirbt auch unter diesem Namen für seine Attraktionen. Auf der Karte findet man diese Siedlung aber auch unter „Drumheller“. Gelegen im Red Deer River Valley wurden hier zahlreiche Fossilien und gut erhaltene Dinosaurierreliquien gefunden. Vor einigen Millionen Jahren waren Teile Albertas von recht großen Süßwasserseen bedeckt und es herrschte ein eher humides, warmes Klima vor. Beste Vorraussetzungen für alles, was kreucht und fleucht, flattert und schwimmt. Ich hatte mal über die Sommerferien ein Käsebrot in meiner Brotdose im Schulranzen vergessen. Donnerwetter: Nach sechs Wochen Treibhausklima hatte sich da drinnen einiges getan! Da hätte man glatt eine 1A Doku über den perfekten Mikrokosmos drehen können. Wie in meiner damaligen Brotzeitdose hatte sich auch in Alberta also eine reiche Flora und Fauna entwickelt, welche sich über die heutigen Weiten der Prärie erstreckte. Und da tappten alle möglichen Dinosaurier, Flug- und Wassertiere umher. Als dieses Paradis dann relativ schnell durch Meteoriten vernichtet und unter diverse Erd- und Schlammschichten begraben wurde, blieben die sterblichen Überreste der Urzeit-Wesen recht gut erhalten im Boden und werden nun nach und nach, seit 1884, aus demselben geborgen. Betrachten kann man diese Vielfalt im Royal Tyrell Museum für Paläontologie. Wer denkt, dass Museen langweilig und staubig sind, der sollte sich hier eines besseren belehren lassen. Eine absolut abwechslungsreiche, spitzenmäßig aufbereitete und interessante Ausstellung mit unheimlich vielen Funden aus der Region, aber auch dem Rest der Welt. In Alberta wurden übrigens bis dato die meisten und die größte Bandbreite unterschiedlicher paläontologischer Reste ausgebuddelt. Allein das Red Deer River Valley ist schon 72 Millionen Jahre alt.

Nach dem Museumsbesuch bekamen Bowen und Remi erstmal ein paar Pommes auf der Terrasse des Hauses. Das Tierleben mag früher recht bunt gewesen sein, doch auch heute leben hier noch Jäger und Sammler: Kleine, unerschrockene und naseweise Präriehunde, die über die Terrasse jagen und alles „sammeln“, was an essbarem unter den Tischen landet. Eines der Tierchen war besonders zutraulich, machte allenthalben Männchen, bettelte geradezu um Nahrung und machte sich wie ein Junkie über ein Ketchup-Schälchen her, welches runtergefallen war. Wir selber schauten, dass wir dann ein paar Straßen weiter bei Boston Pizza auch etwas zwischen die Zähne bekamen. Hierbei stand uns Jakob als Navigator durch die Speisekarte zur Seite, hatte er doch einige Zeit für das Unternehmen gearbeitet. Gestärkt und ausgeruht machten wir uns auf den Weg zum nächsten Highlight, das mitten in der Prärie versteckt ist: die „Horseshoe-Canyon-Formationen“. Diese Sedimentgesteinanordnung aus der späten Kreidezeit zeichnet sich durch unheimlich interessante Hügel- und Felsgebilde aus, die von Wind und Wetter geformt wurden und genau die Schichten der letzten Erdzeitalter freigibt. Von oben schaut man in den Canyon hinein und hat eine atemberaubend Sicht über die Ödlandschaft. Es ist einfach wunderschön und ganz anders als alles, was wir bisher von Kanada gesehen haben. Im Tal selber ist es brütend heiß. Die Sonne knallt direkt in den Kessel und heizt Erde und Steine auf. Laut Mickey kann man hier sogar Klapperschlangen antreffen. Das einzige, was uns jedoch über den Weg lief, waren die schon altbekannten Präriehunde, hier auch „gophers“ genannt. Allerdings in einer, wortwörtlich, abgespeckteren Variante als die auf der Terrasse. Hier sind sie klein und zierlich und wieselflink… und kein bisschen zutraulich. Wacholder deckt den Boden und borstiges Gras, die ein oder andere Wildrose oder Glockenblume und gelb blühende Kakteen. Wir kletterten auf die einzelnen Plateaus der Hügelketten, von wo man den besten Blick über den Canyon hat. Trockener, steinig-sandiger Boden durchzogen von schwarzen Kohle-Ablagerungen, aber mit einer außerordentlichen Portion an Flair!

Gegen 17:00 traten wir dann den Heimweg nach Okotoks an. Denn heut Abend wollten wir den Grill anschmeissen: Präriehund hat schon den Indianern geschmeckt… War nur schwer im Laden zu bekommen und weil bei denen eh nicht viel dran ist, wichen wir auf Rindvieh aus. Die sind hier nämlich die besten in Kanada überhaupt. Den Abend verbrachten wir lauschig am Feuer im Garten – mit dem klangvollen Gesang der Moskitos im Ohr.

Morgen lassen wir Okotoks hinter uns und nähern uns den gewaltigen Rocky Mountains.

Liebe Grüße

Eure Wolpis

Dinosaurier
Dinosaurier
Roooooaaaaaahrrrr
Roooooaaaaaahrrrr
Kleine Aasfresser
Kleine Aasfresser
Tyrannosaurus Rex
Tyrannosaurus Rex
Blick in die Werkstätten der Paläontologen
Blick in die Werkstätten der Paläontologen
Von oben hat man eine herrliche Aussicht auf den Horseshoe-Canyon
Von oben hat man eine herrliche Aussicht auf den Horseshoe-Canyon
Die verschwinden Schichten der Erdzeitalter sind gut erkennbar
Die verschwinden Schichten der Erdzeitalter sind gut erkennbar
Ausgedörrte Erdkruste
Ausgedörrte Erdkruste
Überall runden Kakteen das Bild ab
Überall runden Kakteen das Bild ab
Die Felsformationen sind einzigartig
Die Felsformationen sind einzigartig
Hügel neben Hügel im Tal der Kreidezeit
Hügel neben Hügel im Tal der Kreidezeit
Diesmal im Horseshoe-Canyon, den Badlands von Alberta
Diesmal im Horseshoe-Canyon, den Badlands von Alberta

Big Rocks und Rocking Calgary

19.06.2018

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr man sich über ein bisschen Abwechslung im Speiseplan freut, wenn die meisten Tage mit Frischkäse-Bagel, Toast, Bacon und Eiern beginnen. Heute startete unser Tag im Blaubeer-Himmel mit frisch gebackenen Blaubeerpfannkuchen, Erdbeeren und hausgemachten Smoothie. Herrlich!

Nach dem Frühstück packte Kelsey ihre zwei Jungs, Bowen und Remi, ins Auto und wir fuhren zusammen zum „Big Rock“. Von diesem hat Okotoks auch seinen Namen. Denn in der Sprache der Schwarzfußindianer (Ja, die gibt es tatsächlich liebe Mamis und ist nicht nur Ausdruck für die etwas verdreckten Tapsen der lieben Kleinen) heißt o’kotok eben „Big Rock“. „Ja alles schön und gut, aber was genau ist denn nun dieser „Große Fels“, mögt ihr euch nun fragen. Nun bei diesem imposanten Steinchen handelt es sich um einen der größten je gefundenen Findlinge. Vor tausend und abertausend Jahren hat ein Gletscher den von den Rockys in die Ebene südlich von Calgary geschoben und dort liegt er bis heute und bleicht in der Sonne. Die Indianer haben sogar eine Geschichte dazu, warum der Fels in der Mitte gespalten ist. Weil diese gleichzeitig erklärt, wie Fledermäuse zu ihrem etwas zerknautschten Gesicht gekommen sind und ich die Legende auch sehr unterhaltsam finde, möchte ich sie euch hier kurz wiedergeben:

Eines heißen Sommertages rastete Napi, übernatürlich begabter Trickbetrüger der Blackfoot, auf dem Fels. Weil es so heiß war, breitete Napi seinen Mantel über den Stein und sagte: „Hier, der ist für Dich, weil Du arm bist und mich auf Dir rasten lassen hast.“ Er wanderte weiter. Doch als es kurz darauf zu regnen began, lief er zurück und wollte sich „seinen“ Mantel leihen. Der Fels war weniger begeistert und als Napi dann einfach mit dem Mantel das Weite suchte, verfolgte er ihn erbost. Die Freunde des Betrügers, der Büffel, der Hirsch und die Antilope, versuchten sich dem steinernen Verfolger in den Weg zu stellen, wurden jedoch gnadenlos überrollt. Napi rief ein paar Fledermäuse zu Hilfe, welche den Fels attackierten. Eine traf ihn in der Mitte und spaltete ihn in zwei Teile. Seitdem ist der „Big Rock“ entzweit und die Fledermäuse müssen mit verdellter Visage leben.

Das ist die Geschichte der Blackfoot. Wie oder warum auch immer dieser große Brocken dort liegt: eindrucksvoll ist er auf jeden Fall. Und von oben hat man einer wunderbare Aussicht auf die Rocky Mountains. Gegen 12:00 musste Kelsey Heim, weil der Kleinste Mittagsschlaf machen sollte. Wir setzten unsere Fahrt in den nächst gelegenen Ort fort. Hier, in Turner Valley, gibt es die Eau Claire Distillery. Klein, aber fein und ein El Dorado für Gin- und Wodka-Liebhaber… Sofern sie nicht auf die klassischen Standardprodukte stehen. Denn hier werden einzigartige Spirituosen mit unglaublichen Geschmacksnoten gezaubert.

In Calgary bogen wir erstmal in die Einfahrt zur Werkstatt ein. Mickey hatte diesen Part für uns am Morgen übernommen und hat den Dodge beim Mechaniker gleich neben seinem Büro abgegeben. Wir mussten ihn also nur fix und fertig abholen (den Wagen, nicht Mickey 😉). Das Ersetzen der Teile an der Hinterradachse war wohl doch nicht notwendig gewesen. Zwar musste irgendein Zahnrad, Stange, Hebel oder Druckknopf hinzugefügt werden, doch das kostete uns zum Glück bei weitem nicht so viel wie das Prozedere, was wir eigentlich erwartet hätten. Da wir schon mal da waren und wir Mickey auch sein eigenes Auto wieder abgeben mussten (hatten uns das zum Fahren geliehen), machten wir die Biege eine Industriehalle weiter zu seinem Büro. Hier bekamen wir eine exklusive Führung durch das Gewölbe des Firmengeländes (hier werden Stauräume und Lagermöglichkeiten für größere Unternehmen produziert), unterbrachen gekonnt ein Meeting und hielten sehr zu ihrer Freude den ein oder anderen Mitarbeiter von der Arbeit ab. Bleibt zu hoffen, dass die nun nicht in Produktionsrückstände kommen und die nächsten Tage sämtliche Pausen gestrichen werden. Aber wenn der Manager daneben steht und selber mithält, dann ist ein kleiner Plausch schon mal erlaubt 😉…

Unsere nächste Anlaufstelle war Peter’s Drive Inn. Wurde uns wärmstens von Jessi, Kollegin von Mickey, empfohlen. „Kauft euch ein Milkshake dort und fahrt den Hügel ein paar Kilometer weiter rauf. Da hat man eine super Aussicht auf die Skyline von Calgary!“ Sie hatte uns wirklich nicht zu viel versprochen. Mal davon abgesehen, dass die Milchshakes fast nicht zu bewältigen waren (man nehme 1l Milch und 2kg Eis… so Pi mal Daumen), so waren die doch ziemlich lecker! Und von der Aussicht ließen wir uns auch überzeugen. Calgary ist zwar groß (die größte Ansiedlung zwischen Vancouver im Westen und Toronto im Osten), doch durch die Lage am „Bow“ und „Elbow River“ dennoch sehr grün. Wir spazierten über eine Holztreppe zum Ufer des „Bow Rivers“ runter und gondelten mehr oder weniger entspannt, dem Lauf des Fluß folgend, am Rande der Innenstadt entlang. Jakob hatte inzwischen das Kriegsbeil ausgegraben und kämpfte tapfer gegen die Laktose-Indianer die ihm aus dem Hinterhalt angegriffen hatten. Die Promenade am „Bow River“ ist absolut schön und alles wirkt unheimlich ruhig und friedlich. Keine Anzeichen von Großstadt-Hektik. Der Fluß ist oft nichtmal bebaut und Gänse tummeln sich am Uferbereich. Es gibt sowohl grüne, gepflegte Parkanlagen, als auch naturbelassene Abschnitte und die Farbe des Wassers selber ist schwer beschreiblich. Geht vom dunkel-türkis ins lichtgrau-blaue. Keine Ahnung, ob es für diese Farbe in unserer Hemisphere einen passenden Ausdruck gibt. Die nächst gelegenen Häuser sind auch nicht gleich Hochhäuser, sondern zum Teil sogar recht schöne Stadtwohnungen. Auffällig war die hohe Anzahl an Radfahrern und Leichtathleten, die sich in der nachmittäglichen Hitze abschwitzten. Da gibt es dann Exemplare, die sogar mit Taucherbrille durch die Landschaft strampeln. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit durch die allgegenwärtige Transpiration ist das vermutlich auch das beste, was man machen kann. Am Ufer des Bow Rivers liefen wir sogar einem monströsen Hasen über den Weg. Mitten in der Stadt. Oder er uns?! Menschenscheu war der jedenfalls nicht gerade. Im Gegenteil: Geradezu suizidgefährdet stürzte er sich zwischen die dahinsausenden und wild klingelnden Pedalritter. Ich sah ihn schon hart getroffen in den Hasenhimmel auffahren, doch Bugs Bunny hatte es echt drauf. Während wir tatsächlich beinahe von den stier vor sich hin velozipedierenden Radzombies über den Haufen gefahren wurden, hopste Meister Lampe galant wie eine Balletttänzer zwischen ihnen hindurch. Sehr beeindruckend! In die Innenstadt selber schafften wir es zeitlich leider nicht mehr.

Gegen Abend gesellten wir uns mit Zwischenstopp im Supermarkt wieder zu Mickey und Kelsey. Heute war es an uns, Abendessen zu kochen. Ihr dürft raten: Was ist so gaaaanz typisch deutsch und worauf fliegen die Touris in „Good ol‘ Germany“ immer und überall? … Na?… SCHNITZEL! Und als Desert, weil das auch immer super ankommt (gerade im Pancake verliebten Kanada): unser Kaiserschmarren. Wir waren nach dem Essen derart erledigt (essen ist unheimlich anstrengend – könnte ein neuer Nationalsport werden), dass wir es nur noch nach draußen auf die Terrasse schafften. Das geplante Feuer werden wir eben morgen machen.

Bis dann

Eure kugelrunden Wolpis

The Big Rock in seiner vollen Schönheit
The Big Rock in seiner vollen Schönheit
Der rechte Teil...
Der rechte Teil…
...und der linke Teil des „Big Rocks“. Bei genauerem Betrachten könnt ihr vielleicht ein Gesicht im Fels entdecken
…und der linke Teil des „Big Rocks“. Bei genauerem Betrachten könnt ihr vielleicht ein Gesicht im Fels entdecken
Mit Kelsey und den Jungs beim „Big Rock“
Mit Kelsey und den Jungs beim „Big Rock“
Alberta wird auch „Wild Rose Country“ genannt
Alberta wird auch „Wild Rose Country“ genannt
In der „Eau Claire Distillery“
In der „Eau Claire Distillery“
For Sale... Ob wir uns einen neuen Wagen zulegen sollten?
For Sale… Ob wir uns einen neuen Wagen zulegen sollten?
Kanadischer Türklopfer
Kanadischer Türklopfer
Skyline von Calgary
Skyline von Calgary
Entspannen am Bow River in Calgary? Kein Problem!
Entspannen am Bow River in Calgary? Kein Problem!
Sieht aus wie ein Silikonschlauch, ist aber eine Brücke
Sieht aus wie ein Silikonschlauch, ist aber eine Brücke
Calgary an sich hat einige Grünanlagen
Calgary an sich hat einige Grünanlagen
Mitten in Calgary: Meister Lampe ist von den Menschen kein bisschen eingeschüchtert
Mitten in Calgary: Meister Lampe ist von den Menschen kein bisschen eingeschüchtert

Auf Bisonpirsch

18.06.2018

Weich, warm, kuschelig, vereinzelte Sonnenstrahlen, die gedämpft durch die dicken Vorhänge blitzen… Wer will da schon aus den Federn? Doch wir hatten heute etwas wichtiges zu erledigen, sollte unsere Tour schnell und vor allem sicher weitergehen. Reifenwechsel! Jakob hatte schon am Vortag verschiedene Angebote bei diversen Automechanikern eingeholt. Ist nur unheimlich schwierig, für diesen Autotyp auch passende Reifen zu finden. Von 10 Werkstätten hatten gerade mal 2 unsere Pneus auf Lager. Wenn man dann noch bedenkt, dass wir noch am gleichen Tag weiter nach Okotoks bei Calagary wollten und daher einen „Sofortservice“ benötigten, wurde es wirklich eng mit der Auswahl. Doch am Ende hockten wir doch bei einer Werkstatt, die sich unserer annahm.

Bis wir wieder los kamen, war es 13:00. Mit der ernüchternden Nachricht, dass irgendwelche Teile der hinteren Achse ersetzt gehören, damit die Einstellung der selben überhaupt gemacht werden kann. Leider ein etwas teureres Unterfangen. Also hängte sich Jakob wieder ans Telefon und versuchte diesmal in Calgary eine weitere Werkstatt ausfindig zu machen, die möglichst preisgünstig dieses Makel beseitigen würde. Währenddessen ließ Matthias seinem Bleifuß freien Lauf (jedenfalls soweit erlaubt) und brachte uns wieder in die grünen Gefilde des „Elk-Island-Nationalparks“. Und heute waren sie dann da, die Bisons. Friedlich grasten sie im Schatten der Bäume oder erfrischten sich im kühlen Wasser und Schlamm eines Tümpels. Bis auf 100 Meter konnten wir uns gefahrlos wie Indianer an diese Fellberge heranpirschen. Grunzend, schnaubend und schnaufend zog die Herde, die um diese Jahreszeit sogar Kälber aufwies, gemächlich über die Ebene. Vermutlich habt ihr selber schon mal im Zoo Büffel (die asiatische bzw. afrikanische Rasse), Wisente (europäisch) oder Bisons (amerikanisch) gesehen. Doch ist es wirklich nochmal etwas ganz anderes, wenn man nicht zwei oder drei Exemplare durch einen Zaun anschauen kann, sondern sich einer ganzen Rotte von 50 bis 80 Tieren in freier Wildbahn gegenüberstehend sieht. Unheimlich beeindruckend. Zu schade, dass diese Riesen inzwischen derart dezimiert sind, dass sie nicht mehr wie früher als dunkle Masse weitflächig über die Prärie wandern. DAS muss erstmal ein Schauspiel gewesen sein! Als die Bisons langsam zwischen den Bäumen untertauchten, machten auch wir kehrt und schlugen nun den Weg nach Calgary ein. Dort werden wir ein paar Tage bei Mickey und Kelsey verbringen. Freunde von Jakob, die er selber auf eine seiner Reisen in Mexiko kennengelernt hat.

Alberta, die achte Provinz, die wir inzwischen durchfahren, ist ähnlich wie Saskatchewan recht plan mit viel Farmland. Doch auf unserem Weg Richtung Calgary, der größten Stadt von Alberta, wird das Grasland immer welliger und leichte Hügel zeichnen sich von der Fläche ab. Die Landschaft südlich von Calgary erinnert leicht an die Gegend im Allgäu. Und am Horizont im Westen erheben sich majestätisch die weißen Gipfel der Rocky Mountains. Da kommen Heimatgefühle auf und man möchte ob dieses bekannten Bildes einen andächtigen Jodler auszustoßen.

Bei Mickey und Kelsey aßen wir erstmal gemütlich zu Abend, bevor wir im Untergeschoss in die Ledercouches versanken. In Kanada ist es recht häufig, im Erdgeschoss zwar ein Wohnzimmer mit Fernseher und allem drum und dran zu haben, aber dann eine Etage tiefer, wo man den Keller erwarten würde, einen weiteren Wohnraum einzurichten. So saßen wir also noch ein wenig in Wohnzimmer Nr.2 zusammen, bevor uns die Müdigkeit in die Betten trieb.

Morgen werden wir das Auto erstmal in einer weiteren Werkstatt begutachten und hoffentlich vollständig richten lassen und Calgary Downtown näher unter die Lupe nehmen.

Bis bald

Eure Wolpis

Stören ließen sich die Prärie-Rinder nicht von uns
Stören ließen sich die Prärie-Rinder nicht von uns
Sogar Kälber waren bei der Herde dabei. Ein absolut beeindruckendes Erlebnis
Sogar Kälber waren bei der Herde dabei. Ein absolut beeindruckendes Erlebnis
Früher bevölkerten tausende Bisons die Steppe - heute ist der Bestand stark dezimiert
Früher bevölkerten tausende Bisons die Steppe – heute ist der Bestand stark dezimiert

Sonntagsfahrt auf rohen Eiern

17.06.2018

Sonntagmorgen. Und erstes Spiel der Deutschen in der Fußball-WM 2018. Was macht man da am besten, far away from home? Einfach Frühstück aufs Zimmer holen und das Spiel vom Bett aus anschauen. Denn die WM wird hier natürlich auch ausgestrahlt. Wenn auch wir wohl alle hierin übereinstimmen, dass das Ergebnis, als auch schon das Spiel an sich weniger sehenswert waren.

Nach dem Spiel schauten wir zu, dass wir wieder auf die Straße kamen. Wir querten Saskatoon City und liefen ein bisschen im Meewasin-Park am South Saskatchewan River auf und ab. Hier kann man ein paar ganz possierliche Tierchen sehen. Sie huschen durch das Gras und Gebüsch wie Wiesel, sind aber erheblich kleiner, heller und buddeln tiefe Labyrinthe untertags, in denen sie abtauchen, sobald Gefahr droht. Zuvor geben sie aber bellende Warnrufe für den Rest des Clans ab. Es sind Präriehunde, die die grasigen Weiten bewohnen. Einer weiteren recht interessanten Gattung scheinen die Einwohner der Stadt anzugehören. So wurden wir Zeugen von einem Typ, der aufgebracht brabbelnd und gestikulierend einsam an der stark befahrenen Hauptstraße entlang wanderte oder einer jungen Frau, die ohne Vorwarnung die Fahrbahn kreuzte und sich dabei gekonnt nach und nach ihrer Kleidungsstücke entledigte. Ja ok, es war warm. Aber so…? Nun: Andere Länder, andere Sitten. Nach etwa 1/3 der Wegstrecke nach Edmonton merkten wir bei einem Stop, dass unsere Hinterreifen am Außenrand recht ordentlich abgefahren waren. Das Profil gehörte der Vergangenheit an und das Gewebe des Reifens schimmerte schon leicht durch die restliche Gummibeschichtung. Sonntagnachmittag hatte leider nichts mehr offen und so beschlossen wir, uns vorsichtig unserem Ziel zu nähern, wo sich unser Nachtlager befand und auch fähige Automechaniker Abhilfe schaffen könnten. Während wir mit 80km/h über den Highway krochen, versuchte Jakob über Freunde und Bekannte aus der Branche herauszufinden, wie wahrscheinlich es ist, dass wir samt Reifen in die Luft gehen. Da kamen die unterschiedlichsten Ergebnisse heraus. Von „Auto sofort stehen lassen und keinen Meter bewegen“ bis hin zu „Langsam und vorsichtig weiterfahren und schnellst möglich Reifen wechseln“ war alles dabei. Da die letzte Aussage auf Erfahrung basierte und uns dann im schlimmsten Fall auch nicht die Reifen um die Ohren fliegen, sondern lediglich die Luft ausgehen würde, setzten wir auf unser Glück und fuhren weiter. Fahren wie auf rohen Eiern oder gemütliche Senioren-Sonntagsfahrt – einfach nur Ansichtssache. In Vegreville, der größten ukrainischen Siedlung Kanadas machten wir dann kurz Halt. Ostereier suchen war angesagt. Oder besser gesagt: DAS Osterei BEsuchen. Hier steht nämlich das mit 9 Metern weltweit größte Pysanka. Ein nach ukrainischer Art bemaltes Osterei. Wirklich ganz schwer zu übersehen! Ein weiteres Highlight auf dem Weg nach Edmonton ist der „Elk-Island-Nationalpark“. Da wir ohnehin durchfuhren, machten wir einen kurzen Abstecher ins Innere. Hier gibt es nämlich das höchstes Bisonaufkommen Nordamerikas. Auch gilt der Park als derjenige mit der höchsten Dichte an grasfressenden Säugetieren gleich nach der afrikanischen Serengeti. Hier gibt es z.B. auch Wapitis, Bieber, Maultier- und Weißwedelhirsche und Unmengen an Vögeln wie Kanadagänse und die verschiedensten Wasservögel. Die Mücken lass ich hier gleich mal unerwähnt. Leider wurden wir einzigst mit einem sehr entspannt wirkenden Wapiti und einer Gänse-Großfamilie beglückt. Weil wir mit den Reifen nicht zu sehr in die Pampa eindringen wollten nahmen uns vor, morgen unter besseren Bedingungen nochmals herzukommen, sollte es uns die Zeit erlauben. Das heißt: Montag müssen wir uns erstmal darum kümmern, dass die Reifensituation gelöst wird und wir vor allem auch den Grund dieses überaus starken und ungewöhnlichen Verschleißes herausfinden. Denn einen weiteren Tag auf dem „Zahnfleisch zu fahren“ scheint tatsächlich nicht ratsam. Und außerdem kann man echte Sonntagsfahrten ja auch nur an Sonntagen machen, oder?

Bis dahin liebe Grüße

Eure Wolpis

Saskatoon am South Saskatchewan River
Saskatoon am South Saskatchewan River
Der „South Saskatchewan River“
Der „South Saskatchewan River“
Ach wie schee, dieser Klee
Ach wie schee, dieser Klee
Wir haben das Osterei gefunden! Das Pysanka in Vegreville
Wir haben das Osterei gefunden! Das Pysanka in Vegreville
Wir haben nun ein neues Fahrzeug 😄... gefunden in Vegreville gleich neben dem Osterei
Wir haben nun ein neues Fahrzeug 😄… gefunden in Vegreville gleich neben dem Osterei
Stolze Eltern
Stolze Eltern
Hi! Unser relaxtes Wapiti im Nationalpark
Hi! Unser relaxtes Wapiti im Nationalpark